Warme und kalte Farben: Die Farbtemperatur ist relativ

Warme und Kalte Farben Tabelle

Über das Konzept der warmen und kalten Farben wird schon seit Hunderten von Jahren diskutiert. Die meisten Theorien beginnen mit dem klassischen Farbkreis nach Itten, der drei Primärfarben und drei Sekundärfarben in Relation zueinander stellt. Eine Unterteilung in warme und kalte Farben lässt sich in diesem Szenario leicht vornehmen, auch wenn die genaue Bestimmung je nach der Argumentation des Farbtheoretikers variiert.

Die allgemeine Idee besagt stets, dass die Farben Rot, Orange und Gelb warm und die Farben Grün, Blau und Violett kalt sind.

Warme und Kalte Farben
Bietet nur eine grobe Orientierung: Die Unterteilung des Farbkreises (nach Itten) in warme und kalte Farbbereiche

Vergleicht man Gelb mit Blau, so ist leicht zu erkennen, dass Gelb in Relation zu Blau die wärmere Farbe ist.

Vergleicht man Grün mit Gelb, so ist diese Unterscheidung vielleicht weniger offensichtlich, da sie auf dem Farbkreis nebeneinander liegen. Wenn du allerdings die Farbtemperaturen der einzelnen Farbtöne identifizieren und vergleichen kannst, wird dir auffallen, dass ein grünliches Gelb kälter als ein rötliches Gelb ist.

Wenn wir warme und kalte Farben einschätzen wollen, müssen wir die einzelnen Farbtöne in Relation zu einem andern Farbton setzen.

Warme und kalte Farben identifizieren

Um die Farbtemperatur zu identifizieren, musst du lernen, warme und kalte Farben zu sehen und zu unterscheiden. In der Kunst gibt es warme UND kalte Grüntöne, Blautöne, Rottöne, Gelbtöne, Erdtöne, Schwarz- und Weißtöne.

Wenn du ein warmes Gelb und ein kaltes Gelb mit einer dritten Farbe vergleichst, solltest du erkennen können, ob die Gelbtöne eine rote oder bläuliche Tendenz haben.

Sobald du anfängst, die Farbtemperatur zu erkennen, kannst du auch innerhalb einer Farbfamilie mit Präzision warme und kalte Farbtöne voneinander separieren.

Beachte, dass dieses Temperaturempfinden umgekehrt zu dem physikalischen Maß der Farbtemperatur ist. Blau wird in Kunst und Design als „kälter“ beschrieben, obwohl es einem schwarzen Körper mit höherer Temperatur entspricht.

 

Farbliche Tendenzen innerhalb einer Farbfamilie

Die Qualitäten der Farbe sind auch während des Mischens wichtig. Um saubere Mischungen zu erzielen, muss die farbliche Tendenz berücksichtigt werden. Wenn man zum Beispiel ein gelbliches Rot mit einem rötlichen Gelb mischt, erhält man helle, strahlende Orangetöne.

Um dies so einfach wie möglich nachzuvollziehen, kannst du einen eigenen Farbkreis mit vier Grundfarben anlegen. Grün wird in diesem Szenario zu Rot, Gelb und Blau ergänzt.

Nun wird für jede der vier Farben jeweils ein warmer und ein kalter Farbton bestimmt. Ein kaltes Gelb hat beispielsweise Einflüsse aus dem Grünen, wohingegen ein warmes Gelb eine Tendenz in das Rote hat.

Anhand dieser Methodologie kann der Farbkreis in vier Quadranten unterteilt werden, wovon jeder die Beziehung von zwei nebeneinanderliegenden Farben ausdrückt.

Warme und Kalte Farben Tabelle

Das in unserem Beispiel oben liegende Rot ist ein gelbliches Rot, weil es eine gelbe Färbung hat. Nicht zufällig befindet sich das gelbliche Rot im gleichen Quadranten wie das rötliche Gelb.

Vermischt man diese zwei Farben, wirkt das resultierende Orange überaus sauber, da beide Ausgangsfarbtöne ihre uneingeschränkte Neigung zur Wärme einbringen.

Das Gegenbeispiel dazu liefert der untere linke Quadrant. Mischt man das grünliche Blau mit dem bläulichen Grün, entsteht ebenfalls ein sauberes Ergebnis: Ein strahlendes Türkis. Beide Farbtöne bringen die ihnen natürlicherweise innewohnende Kälte in die Farbmischung ein, sodass die Wirkung harmonisch ist.

Interessanter wird es im oberen linken und im unteren rechten Quadranten.

Hier ergänzen sich jeweils ein warmer und ein kalter Farbton, die dennoch eine harmonische Beziehung bilden. Ihre jeweiligen Farbmischungen sind sauber und harmonisch, da die Grundfarben nur von den jeweils anderen Grundfarben innerhalb desselben Quadraten beeinflusst werden. 

Farbmischungen warme und kalte Farbe

Eine Mischung des warmen, gelblichen Rot mit dem warmen, rötlichen Blau würde ein stumpfes Kastanienbraun ergeben, da der Rotton eine Tendenz ins Gelbe aufweist.

Diese Feststellung verhält sich in jedem der vier Quadranten gleichermaßen.

Selbstverständlich kann diese Verschiebung der farblichen Tendenzen auch in die andere Richtung beobachtet werden.

Tendenzenverschiebung 2

Fazit zu Farbtemperaturen und farblichen Tendenzen

Wichtig ist, dass du die Farbtemperatur und ihre farbliche Tendenz erkennen kannst, um Farbharmonien zu erzielen. Besonders in der Kunst und in der Malerei ist dieses Verständnis essenziell, um in der additiven Farbmischung saubere Farbmischungen zu erreichen.

Denke daran, dass warme und kalte Farben immer eine Frage der Betrachtungsweise sind, die davon abhängt, welche Farben du miteinander vergleichst. 

Auch wenn es häufig suggeriert wird, gibt es keine in sich warmen und kalten Farben, sondern nur solche, die im Vergleich zu einem anderen Farbton warm oder kalt wirken. Die Orientierung am Farbkreis kann dabei helfen, ein grundlegendes Verständnis dieses Konzepts zu verstehen.